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Kommission für den Berner Umwelt-Forschungspreis

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Der Berner Umwelt-Forschungspreis 2001

Unser Verhältnis zur Natur: Umweltethik und Umweltpolitik als Spiegel

Das Verhältnis von Mensch und Natur wird heute durch wachsende Umweltprobleme geprägt. Als Reaktion auf die Umweltproblematik sind Umweltethik und Umweltpolitik entstanden - Phänomene, die die bewegliche Beziehung zwischen Mensch und Natur spiegeln.

Das Verhältnis Mensch-Natur ist einem stetigen Wandel unterworfen. Wechselnde Umstände bestimmen die fragile Beziehung. Die Menschen haben ihr Verhältnis zur Natur immer wieder neuen Leitideen unterworfen. Die wachsenden Umweltprobleme verlangen heute nach einer Neuorientierung im Umgang mit der Natur - eine Neuorientierung, die sich in verschiedenen massgeblichen Regelwerken und Bezugssystemen spiegelt. Umweltethik und Umweltpolitik sind neuere Phänomene, die als Reaktionen auf die drängenden Umweltprobleme entstanden sind.

Die Ökologisierung des Rechts

Martin Flügel untersucht die Umweltpolitik aus umweltethischer Perspektive. Er analysiert, welche umweltethischen Orientierungen in die umweltrelevanten schweizerischen Verfassungs- und Gesetzesnormen Eingang gefunden haben. Ausgangspunkt der Analyse ist die ethische Grundfrage nach dem Wert der Natur.

Je nach dem, wo in der Natur die letzten, unhintergehbaren und für die ethische Argumentation grundlegenen Werte plaziert werden, können verschiedene umweltethische Positionen unterschieden werden. Das Spektrum reicht von einem vollständig auf den Menschen fokussierten Anthropozentrismus über die Berücksichtigung des Leidens (Pathozentrismus), des Lebens (Biozentrismus) bis hin zum umfassenden Ökozentrismus.

Analysen der Rechtsgrundlagen zu Umweltschutz, Raumplanung, Wasser, Wald, Landschaft und Tierschutz zeigen, dass alle diese unterschiedlichen umweltethischen Orientierungen im Recht Aufnahme gefunden haben. Dabei nimmt der Anthropozentrismus durchwegs eine wichtige Rolle ein. Untermauert wird die anthropozentristische Perspektive durch das Prinzip der Nachhaltigkeit, welches heute in der Umweltpolitik oberste Zielsetzung ist. Eine grundlegende und auch übergreifend zu berücksichtigende biozentrische Ergänzung erhält die Verfassung jedoch durch den Begriff der "Würde der Kreatur". Ebenfalls biozentrische, zum Teil sogar ökozentrische Einflüsse werden in weiteren Teilen des Umweltrechts nachgewiesen (Umweltschutz-, Gewässer-, Natur- und Heimatschutzgesetz). Insgesamt stellt der Autor eine Tendenz zur Integration nicht-anthropozentrischer Begründungskontexte in die Verfassung und in das Umweltrecht fest.

Die Untersuchung zeigt den Pluralismus der Begründungskontexte in Umweltethik und -recht auf und macht auf die Bedeutung der Entwicklungen von Recht und Ethik aufmerksam. Denn nur die Möglichkeit der Entwicklung gewährleistet die Reaktion auf und die Anpassungen an neue Situationen, wie sie beispielsweise die veränderten Umweltbedingungen darstellen.

Forderungen an Umweltethik und -politik

Auf der Grundlage seiner Überlegungen formuliert der Autor Anspüche an die zukünftige Entwicklung des Rechts, an das Verhältnis von Recht und Ethik sowie an die Politik.

  • In der Entwicklung des Rechts fordert der Autor die pluralistische Weiterentwicklung. Dabei sollte, insbesondere im Verständnis des Begriffs der Nachhaltigkeit, nicht-anthropozentrischer Ansätze weiter ausgebaut werden.

  • Bezüglich des Status der Natur, einem Eckpunkt der anthropozentrischen Naturauffassung, seien Schritte zu prüfen, welche Tieren und darüber hinaus evtl auch Pflanzen, Landschaften und Biotopen einen neuen rechtlichen Status ermöglichen.

  • Im Verhältnis von Recht und Ethik betont der Autor die Funktion des Rechts, im Wechselspiel von Innovation und Akzeptanz zur Verbreitung von Grundideen beizutragen. Letztere können vom Einzelnen übernommen und längerfristig allgemein akzeptiert werden. Hier appelliert Flügel an die Innovationskraft des Rechts, welche massgeblich an der Entwicklung des Ethos einer Gesellschaft beteiligt sei.

  • Die Politik im weiteren Sinne fordert der Autor dazu auf, geeignete Bedingungen für den Dialog des Einzelnen mit der Gesellschaft zu garantieren. Dieser Dialog gewährleiste die Entwicklung der individuellen, subjektiven Ethik und eine gegenseitige Akzeptanz der Werte. Die Möglichkeit der Entwicklung sichere nicht nur die Entstehung und Bewahrung einer solidarischen Gesellschaft, sondern auch das Überleben der Menschheit selbst, welches von der Anpassungsfähigkeit an neue Situationen abhängig sei.

Für Auskünfte zur Studie:

info@cng-csc.ch

Tel: 031/305 80 06

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