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Kommission für den Berner Umwelt-Forschungspreis

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Der Berner Umwelt-Forschungspreis 2001

Laudationes

Der Preis geht ex aequo an Herrn Dr. Martin Flügel, Leiter des Ressorts Sozialpolitik des Christlichnationalen Gewerkschaftsbundes der Schweiz (CNG) und Lehrbeauftragter am Institut für Philosophie der Universität Bern, und an Frau Agnes Nienhaus, lic. phil. hist., Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundesamt für Sozialversicherung (Sektion Statistik).

Laudatio:

Martin Flügel,

für seine Dissertation "Umweltethik und Umweltpolitik. Eine Analyse der schweizerischen Umweltpolitik aus umweltethischer Perspektive": Der Preis geht ex aequo an ihn und an Agnes Nienhaus ("Naturkatastrophe und Modernisierungsprozess"). Beide Arbeiten stellen je für sich herausragende wissenschaftliche Leistungen aus zwei verschiedenen geisteswissenschaftlichen Disziplinen - Philosophie und (Umwelt?)Geschichte - dar. Zusammen genommen zeigen sie in komplementärer und besonders eindrücklicher Weise das Spektrum möglicher Beiträge der Geistes- und Sozialwissenschaften zum besseren Verständnis und zur Lösung von Umweltproblemen auf. M. Flügel konzentriert sich in seiner Dissertation "Umweltethik und Umweltpolitik" auf die analytisch-rationale, systematisch-argumentative und normative Seite der behandelten Problematik. Er hat erstmals fundiert und systematisch herausgearbeitet, welche umweltethischen Orientierungen und Hintergrundsvorstellungen in die verschiedenen, in unterschiedlichen historischen Kontexten entstandenen, umweltrelevanten schweizerischen Verfassungs- und Gesetzesnormen Eingang gefunden haben. Aufgrund ihrer analytischen Klarheit bietet die Arbeit für die rechtliche und politische Urteilsbildung eine starke Orientierungshilfe an.

Biographie

Martin Flügel wurde am 8. November 1967 in Thun geboren. Nach einer Lehre als Elektrozeichner besuchte er das Gymnasium am Humboldtianum in Bern. Er absolvierte 1990 die Eidgenössische Matura (Typus E). Von 1990 bis 1996 studierte er an der Universität Bern Philosophie, Volkswirtschaftslehre und Allgemeine Ökologie. Ab 1995 war er bei Prof. Hansruedi Müller am Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus der Universität Bern tätig. Von 1996 bis 1999 erforschte er im Rahmen eines Projektes des Nationalen Forschungsprogrammes Nr. 41 "Verkehr und Umwelt" die politischen Prozesse der Entwicklung und Umsetzung von verkehrsberuhigenden Massnahmen in Tourismusorten des Alpenraums. 1999 promovierte Martin Flügel mit der Arbeit "Umweltethik und Umweltpolitik. Eine Analyse der schweizerischen Umweltpolitik aus umweltethischer Perspektive" bei Prof. Andreas Graeser (Institut für Philosophie, Universität Bern) und Prof. Jean-Claude Wolf (Departement der Philosophie, Universität Freiburg). Die Dissertation befasst sich mit der Frage, inwiefern die akademisch-philosophische Diskussion umweltethischer Positionen, die bereits seit einigen Jahrzehnten geführt wird, in der Umweltpolitik ihren Niederschlag gefunden hat. Die Untersuchung zeigt, dass sich in der Gesetzgebung eine Entwicklung weg von einem einfachen, nur auf den Menschen Bezug nehmenden Bild der Umwelt feststellen lässt. Seit Februar 2000 arbeitet Martin Flügel als Leiter des Ressorts Sozialpolitik des Christlichnationalen Gewerkschaftsbundes der Schweiz (CNG). Gleichzeitig nimmt er einen Lehrauftrag am Institut für Philosophie der Universität Bern wahr.

Laudatio:

Agnes Nienhaus,

für ihre Lizentiatsarbeit "Naturkatastrophe und Modernisierungsprozess. Eine Analyse gesellschaftlicher Reaktionen auf das alpine Hochwasser von 1834 am Fallbeispiel Graubünden": Der Preis geht ex aequo an sie und an Martin Flügel ("Umweltethik und Umweltpolitik"). Beide Arbeiten stellen je für sich herausragende wissenschaftliche Leistungen aus zwei verschiedenen geisteswissenschaftlichen Disziplinen - (Umwelt?)Geschichte und Philosophie - dar. Zusammen genommen zeigen sie in komplementärer und besonders eindrücklicher Weise das Spektrum möglicher Beiträge der Geistes- und Sozialwissenschaften zum besseren Verständnis und zur Lösung von Umweltproblemen auf. A. Nienhaus vertieft sich in ihrer Lizentiatsarbeit in die historisch-vielfältigen, komplexen Facetten eines konkreten historischen Ereignisses und dessen gesellschaftlicher Verarbeitung. Die Analyse aus zeitlicher Distanz zeigt in anschaulicher Weise Muster der Entstehungsbedingungen von Problemen und Lösungen im Zusammenhang mit Naturereignissen. Die Arbeit ermöglicht eine empirisch gehaltvolle Hypothesenbildung für die gesellschaftliche Bewältigung von Problemen der Gegenwart, vor allem in Zusammenhang mit der Klimaveränderung.

Biographie

Agnes Nienhaus wurde am 21. Juli 1971 in Koblenz geboren. Nach ihrer Schulzeit in Koblenz und Zurzach schloss sie 1991 die Matura Typus B an der Kantonsschule in Baden ab. Nach einem einjährigen Sprach- und Arbeitsaufenthalt in Dublin studierte sie von 1992 bis 2000 Geschichte, Volkswirtschaftslehre und Germanistik an der Universität Bern. 1996/97 erhielt sie ein Stipendium der Irischen Regierung für ein Studienjahr am Trinity College in Dublin, wo sie sich mit Hungersnöten unter historischem und ökonomischem Blickwinkel auseinandersetzte. In ihrem Lizentiat, das sie bei Prof. Dr. Christian Pfister (Historisches Institut, Universität Bern) einreichte, befasste sie sich mit den gesellschaftlichen Reaktionen auf das alpine Hochwasser von 1834 im Kanton Graubünden. Ihre Arbeit gehört zu den ersten, die Naturkatastrophen als Anstösse zu fundamentalem Lernen deuten und mit gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen in Zusammenhang bringen. Agnes Nienhaus war von 1998 bis 2001 Mitarbeiterin im Schweizerischen Bundesarchiv, wo sie historische und archivische Publikationen betreute. Zur Zeit ist sie im Bundesamt für Sozialversicherung im Bereich der Sozialversicherungsstatistik tätig. Seit kurzem hat sie Einsitz in der Redaktion der gesamtschweizerischen historischen Zeitschrift "Traverse". Daneben bereitet sie ihre Dissertation vor, die sich mit der Entwicklung der Naturkatastrophenhilfe in Graubünden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts befasst.

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